Es ist Ende September 2026, wir sind in Nordnorwegen unterwegs und wir leben nun seit einem Jahr Vollzeit in unserem Wiloo.
Vor ein paar Tagen war ich am Vorbereiten unseres Abendessens, und Marcel an der Grobplanung unserer weiteren Reise. Während ich so am Herd stand, sah ich, wie Marcel plötzlich fuchtelte und vor sich hinmurmelte. Ich fragte ihn, ob er ein Problem habe. «Ja», sagte er, «zu wenig Platz». Was meinte Marcel damit, ging es mir durch den Kopf - zu wenig Platz generell, oder einfach nur zu wenig Platz für seine doch ziemlich grosse Strassenkarte von Norwegen, die vor ihm lag? Diese Aussage müssen wir unbedingt ausdiskutieren, ging mir durch den Kopf. Und genau in diesem Moment sah ich mein liebstes Schwesterherz vor meinem geistigen Auge, den Moment, in dem sie diese Zeile lesen, schmunzeln und denken wird: «Ich hab’s doch gesagt – die brauchen bald etwas Grösseres. Jetzt kommt er, der grosse Luxusliner von Concorde».
Wie gesagt, während des Abendessens nutzte ich den Moment, legte meine Gedanken auf den Tisch, und zusammen zogen wir unser Fazit: Was hatte sich in diesem Jahr bewährt? Was sollten wir vielleicht ändern – und was könnten wir allenfalls noch optimieren?
Ein Jahr unterwegs mit Wiloo. Ein Jahr, in dem wir festgestellt haben, dass wir nichts vermissen müssen, da wir ja alles dabei haben. Genau so ist es, wir haben alles dabei. Wirklich alles. Unser Zuhause fährt mit uns mit, und es fühlt sich jeden Tag so selbstverständlich an, dass wir manchmal vergessen, wie aussergewöhnlich dieses Leben eigentlich ist.
Wenn wir die Tür hinter uns schliessen, ist da dieses Gefühl von Ruhe und Geborgenheit. Ein Ort, der uns trägt, egal wo wir stehen. Ganz einfach unser Zuhause. Und das Beeindruckende: Er deckt all unsere Bedürfnisse ab, ohne dass wir darüber nachdenken müssen. Wir leben vollwertig — nicht reduziert, nicht improvisiert, sondern richtig.
Unsere Küche — unser kleines Alltagswunder
Einer der Gründe, warum wir in diesem Jahr nichts vermisst haben, ist unsere Küche. Sie bietet uns alles, was wir zum Kochen brauchen: genügend Platz, einen guten Herd, ein Spülbecken, einen Kühlschrank, alles funktionierte bis anhin zuverlässig. Wir kochen wie früher zuhause, wir waschen ab wie früher zuhause, es ist nicht «nur Camping» oder Urlaub, sondern ganz normaler Alltag. Einziger Unterschied: Die Aussicht und die Umgebung verändern sich. Manchmal sehe ich aus dem Küchenfenster Wald, Felder oder endlose Ebenen, manchmal Meer, einen Strand, eine Steilküste oder hohe Berge, manchmal Seen oder Fjorde, manchmal kleine Dörfer oder eine Stadt, manchmal Steine und Moos, manchmal nur Nebel, aber auch Sonnenuntergänge und manchmal, ganz selten, wenn die Aussicht hässlich ist oder wir mit anderen Reisefahrzeugen eng an eng stehen, dann schliesse ich einfach die Storen … ein täglich wechselndes Bild unserer wunderschönen Welt, während das Gefühl von unserem Zuhause bleibt.

Unsere Sitzgruppe — Platz für den Alltag und die Abende
Ein grosser Teil unseres Lebens spielt sich an unserem Tisch ab. Er ist Essplatz, Arbeitsplatz, Serienabendort, Platz wo wir unsere «Joker-Abende» verbringen, Treffpunkt mit Freunden und einfach der Platz, an dem wir sitzen, die Beine hochlegen, reden, planen, lachen. Diese Sitzgruppe trägt uns durch den Alltag, ohne dass wir je das Gefühl gehabt haben, es fehle etwas.

Unser Bett — klein, aber perfekt
Seit wir das Froli-Bettsystem haben, schlafen wir besser als je zuvor. Trotz der nur 1.40 m Breite haben wir genügend Platz, und die Kombination aus Froli und unseren Matratzen machen jede Nacht bequem und erholsam. Es ist erstaunlich, wie gut man schlafen kann, wenn das System stimmt. Genauso wichtig ist, dass jeder seinen eigenen Tages- und Nachtrhythmus leben kann. Ich schlafe morgens gern länger, während Marcel aufsteht, wenn es für ihn passt – ausnahmsweise auch mal bereits um drei Uhr morgens. Dann schliesst er die Tür zum «Schlafzimmer» hinter sich, macht sich einen Kaffee und geniesst die stillen Morgenstunden für sich.

Dusche, Wasser, Autarkie — entspannte Freiheit
Unsere Wassertanks sind ein kleines Stück Luxus, das wir nicht mehr missen möchten. Mit 280 Litern Frischwasser können wir entspannt leben, ohne ständig rechnen zu müssen. Es reicht immer und für alles. Zum Waschen, zum Abwaschen, zum Duschen und dank des Wasser-Filter-Systems auch zum Trinken. Der 250 Liter Grauwassertank gibt uns zusätzliche Freiheit. Wir müssen nicht ständig nach einem Platz suchen, um etwas zu entsorgen. Wir können bleiben, wo es uns gefällt. Und das ist genau das, was wir gesucht haben: entspannte Autarkie.

Die Trockentrenntoilette — ein Gamechanger
Die Trockentrenntoilette ist eines dieser Dinge, die man erst versteht, wenn man sie hat. Kein Geruch, keine Chemie, kein Stress. Sie macht uns das Leben unterwegs so viel einfacher. Wir würden sie nie mehr hergeben.
Strom — genug, wenn man ihn braucht
Im Sommer reicht der Strom aus unseren Aufbaubatterien problemlos. Die Sonne arbeitet für uns, und wir müssen uns kaum Gedanken machen. Wenn wir fahren – was wir selten jeden Tag machen – lädt der Motor die Aufbaubatterien zusätzlich. Und wenn wir Landstrom haben, ist sowieso alles entspannt. Normalerweise kochen wir mit Induktion, sprich mit Strom. Nur, wenn wir lange frei stehen, greifen wir ab und zu auf unseren Gaskocher zurück. Nicht aus Not, sondern aus vorausschauender Planung. So können wir längere Zeit irgendwo stehen bleiben, auch wenn sich die Sonne nicht zeigen will.
Starlink — unser digitales Rückgrat
Wir sind bereits an vielen einsamen Orten unterwegs gewesen, wo der Mobilfunk kaum oder gar nicht vorhanden gewesen ist. Da wir vollständig digital reisen, ist Starlink für uns unverzichtbar geworden. Wir sind jederzeit online, wir können arbeiten, online «socializen» und News, Serien und Filme streamen – ein Stück Alltag, das uns Freiheit schenkt. Fast überall haben wir Internetzugang, solange der Himmel frei ist. Egal, ob wir am Ende der Welt stehen. Bis anhin hat Starlink zuverlässig funktioniert. Nur, mitten im dichten Tannenwald stehen, das mag Starlink nicht besonders.

Wärme, die mitreist
Unsere Heizungen sorgen dafür, dass wir es immer wohlig warm haben: Die Dieselstandheizungen halten uns zuverlässig warm, egal wie kalt es draussen ist, und wenn genügend Strom da ist, unterstützt die elektrische Bodenheizung zusätzlich mit einer angenehmen Grundwärme. Zusammen schaffen sie dieses Gefühl von Geborgenheit.
Stauraum, nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig
Unsere Stauräume – innen wie aussen – geben uns genau das, was wir unterwegs brauchen: Platz für alles, was ein Haushalt so mit sich bringt. Drinnen haben wir genügend Raum für unsere Kleider, Essensvorräte und Küchenutensilien, die Elektronik und all die kleinen Dinge, die den Alltag angenehm machen. Und draussen, in den Aussenstauboxen und in der Heckgarage, liegt das Praktische bereit: Werkzeug, Velos, Campingtische, Stühle und alles, was man für ein Leben draussen halt so braucht. Es ist erstaunlich, wie gut sich alles verstauen lässt und wie selbstverständlich Ordnung entsteht, selbst wenn man ständig unterwegs ist.
Ein Fahrzeug, auf das man zählen kann
Wiloo steht auf einem Iveco Daily 4x4 – und dieser trägt uns zuverlässig durch jeden Tag. Ob Gelände oder Alltag, er macht alles mit, ohne zu zicken. Kein «Peut êterli», kein Drama, sondern ein Motor, der läuft wie ein Schweizer Uhrwerk. Er bringt uns sicher über Schotterpisten, durch Schnee, über nasse Küstenstrassen und genauso entspannt zum Einkaufen. Ein Fahrzeug, auf das wir uns voll verlassen können.

Was wir optimieren möchten
Natürlich gibt es Dinge, die wir nach diesem Jahr Erfahrung verbessern möchten – nicht aus Notwendigkeit, sondern aus dem Wunsch heraus, Wiloo noch ein Stückchen mehr zu unserem perfekten Zuhause zu machen. Wir - oder genauer gesagt, ich - möchten neue Polster und Bezüge für die Sitzgruppe. Wir – diesmal beide – schaffen uns eine Matratze von Fanello an. Grund: Wir sind uns nicht sicher sind, wie lange die aktuellen Kaltschaummatratzen halten werden. Ich wünsche mir einen neuen Kühlschrank – unserer funktioniert zwar gut, aber ich hätte gerne anstatt des Eisfachs mehr Platz zum Kühlen. Und Marcel wünscht sich für Wiloo zusätzliche Leuchten für Nachtfahrten, eine Motorstandheizung für Winterreisen in den hohen Norden, und wenn möglich einen grösseren Dieseltank. Diese Optimierungen wollen wir im kommenden Winter angehen.
Dieses Jahr hat uns gezeigt, wie wenig man zum Glücklichsein braucht. Weniger Besitz, mehr Leichtigkeit. Weniger Termine, mehr Zeit. Weniger Lärm, mehr Natur. Und mehr Nähe — zu Marcel, zu mir, zu diesem Leben, das wir gewählt haben. Und Wiloo ist nicht einfach ein Fahrzeug. Er ist unser Zuhause, unser Rückzugsort, unser Ruhepol. Ein verlässlicher Begleiter, der uns durch Schönwetter, Stürme, Regen, Schnee, Einsamkeit, Grossstadthektik und 365 Sonnenauf- und -untergänge getragen hat. Einer, auf den wir zählen können — und der uns nicht enttäuscht hat.
Also hier nun meine Antwort an meine Schwester: «Nein Nicole, du hattest nicht Recht. Marcel bräuchte vielleicht einfach einen kleineren Massstab seiner Norwegenkarte». Punkt.
Unser Fazit: Ein Jahr Wiloo. Ein Jahr Freiheit, Alltag, schöne Begegnungen, Abenteuer - Wir würden uns sofort wieder für dieses Fahrzeug entscheiden.























