Ostfinnland – Nationalparks, Kultur und Wildtiere

Nach dem «Grossstadt-Rummel» von Savonlinna brauchten wir dringend wieder Waldduft und Stille. Und Ostfinnland lieferte – mit Stromschnellen, Heidelbeeren, Freunden, Tieren und vielen überraschenden Momenten

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Marcel & Jacqueline
Über uns ...

Nach dem «Grossstadt-Rummel» von Savonlinna zog es uns wieder in die Stille. Enonkoski war unser erster Halt – ein kleines Dorf, das uns mit seinen wunderbaren Stromschnellen und kunstvollen Sandskulpturen empfing. Danach führte unser Weg an den See von Kontiolahti. Die Gegend ist leicht hügelig und bekannt für Biathlon, aber für uns waren vor allem die herrlichen Kiefer- und Birkenwälder spannend. Dort pflückten wir unsere erste Portion Heidelbeeren und sahen viele Eierschwämme, an die wir uns als bekennende Nicht-Pilzkenner aber nicht wagten. Das änderte sich später, nachdem uns mehrere Finnen freundlich, aber bestimmt erklärten, dass hier wirklich jeder Finne Pilze sammelt – sehr beliebt sind vor allem Eierschwämme. Und dann sammeln sie noch leidenschaftlich wilde Beeren wie Heidelbeeren, Preiselbeeren und die von ihnen heiss geliebten Moltebeeren. Unsere Moltebeeren-Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen, die überlassen wir gerne den Finnen.

Sandskulptur in Enonkoski

Weiter ging unsere Reise in den Norden, in den Koli-Nationalpark. Der Koli ist ein markanter Höhenzug am Pielinen-See und ragt 347 Meter über die Landschaft. Nicht besonders hoch, aber mit einer ikonischen Aussicht, die in Finnland als Nationallandschaft gilt und seit Generationen Künstler inspiriert. Rund um den Berg wurde 1991 ein grosses Schutzgebiet eingerichtet – heute der Koli-Nationalpark. Als wir erschöpft von der empfohlenen Nationalpark-Wanderung zurück kamen, erhielten wir eine Nachricht von Pia und Juha, dem finnischen Paar, das wir in Litauen kennengelernt hatten. Sie seien mit ihrem WoMo unterwegs und nicht weit von uns entfernt. Falls wir Lust hätten, würden sie sich freuen, uns zu treffen. Klar waren wir dabei – wir haben ja keine fixe Reiseroute und lieben solche spontanen Gelegenheiten. Also fuhren wir um den Pielinen-See herum, füllten unsere Vorräte auf und machten uns auf den Weg zum Ruunaa-Wanderzentrum, wo wir mit den beiden abgemacht hatten.

Koli-Nationalpark

Es folgten herrliche Tage mit unseren Freunden. Tage an welchen wir zusammensassen, viel plauderten und noch mehr lachten. Tage an welchen ich mit meinen kurzen Beinen Juha hinterherhetzte. Tage an welchen wir von den beiden in die finnische Saunakultur eingeführt wurden und Tage an welchen wir ein mega cooles Riverrafting erlebten. Es waren herrliche Tage, die wir nie vergessen werden.

Riverrafting

Nach all den Eindrücken suchten wir wieder einsame Plätzchen – auf dem Land, mitten im Wald, an Stromschnellen und an stillen Seen. Jeder Platz war ein Juwel. Ich war jedes Mal etwas wehmütig beim Weiterfahren und gleichzeitig sofort begeistert vom nächsten Ort. Das Wetter spielte mit, wir machten kleine Wanderungen, suchten Beeren, kochten, grillten, buken Muffins oder liessen einfach die Seele baumeln.

Mein Backofen

Zwischendurch besuchten wir auch Sehenswürdigkeiten. Besonders beeindruckend war die Gedenkstätte des Winterkrieges 1939: rund 17'000 Steine, ein Stein für jeden gefallenen Soldaten, finnische wie russische. Dazu das Glockenspiel mit 105 Glocken, eine für jeden Kriegstag. Der Winterkrieg zeigte, wie stark die Finnen ihren Heimvorteil nutzten – extreme Kälte, tiefer Schnee, gute Versorgung. Trotz erfolgreicher Verteidigung musste Finnland Gebiete abtreten, blieb aber souverän und wurde nicht besetzt. Heute ist Finnland unabhängig und seit 2023 Mitglied der NATO.

Traurigerweise lernt die Menschheit wenig aus der Geschichte. Auch im Ukraine-Krieg ging Russland von einem raschen Sieg aus. Nun dauert dieser Krieg bereits über vier Jahre – und ein Ende ist nicht absehbar.

Winterkrieg 1939

Nach all dem Sommerwetter kam eine Schlechtwetterfront, und wir flüchteten uns auf einen Naturcampingplatz. «Aushocken» klingt negativ, war aber gemütlich: Sauna, Baden im See, gutes Essen, Fotos sortieren, Beiträge schreiben und Serien schauen. Für unser nächstes Vorhaben wollten wir nämlich schönes Wetter haben.

Warten auf besseres Wetter - könnte schlimmer sein

Wir fuhren weiter Richtung Norden, unmittelbar an die Grenze zu Russland. Dort hatten wir eine kleine Hütte gebucht – ja, für eine Nacht verliessen wir unser gemütliches rollende Heim. Weshalb? Wir hofften, freilebende Bären zu sehen.

Und tatsächlich: Nebst diversen Vögeln sahen wir zwei männliche Bären. Ein älterer, gemütlicher Brummbär und ein jüngeres Männchen, das uns mit seinem Herumgetiger richtig nervös machte. Als es dunkel wurde, legten wir uns schlafen, und bei der Morgendämmerung schaute tatsächlich der alte Bär nochmals vorbei. Ich musste mir immer wieder bewusst machen, dass wir nicht in einem Zoo waren. Diese Tiere leben hier wirklich frei. Die Rangerin beruhigte uns: Bären riechen und hören Menschen frühzeitig und gehen ihnen aus dem Weg. Gut zu wissen, denn am nächsten Morgen mussten wir alleine zurück zu unserem Wiloo. Ein unvergessliches Erlebnis – und dank Marcels Fotos jederzeit wieder abrufbar.

Hallo, hier bin ich ♥️🐻

Die Schönwetterperiode verabschiedete sich langsam. Marcel plante unsere Route so, dass wir für Outdooraktivitäten ein Schönwetterfenster hatten und regnerische Tage für Museen, Alltag und Faulenzen nutzten. Für die Strecken dazwischen suchte er einsame Routen auf kleinsten Strässchen.

An einem sonnigen Tag machten wir eine weitere empfohlene Wanderung: ein 12 Kilometer-Rundweg im Oulanka-Nationalpark, durch dichte Wälder, über schwingende Hängebrücken und vorbei an rauschenden Stromschnellen. Eine der schönsten Tageswanderungen Finnlands – und tatsächlich, sie hielt, was sie versprach. Der Weg war ein stetes Auf und Ab, manchmal überraschend anspruchsvoll. Am Ende kamen wir erschöpft, aber glücklich zurück.

Wir näherten uns dem nördlichen Polarkreis, und je weiter wir kamen, desto mehr begleiteten uns die Rentiere. Überall standen sie herum: in Feldern, Mooren, am Wegrand – und am liebsten direkt auf der Strasse. Die niedlichen Tiere liessen sich überhaupt nicht stören, ganz im Gegenteil, wir kurvten um sie herum oder fuhren langsam hinter ihnen her, bis sich eine sichere Möglichkeit ergab, sie vorsichtig zu überholen. Je weiter wir in den Norden kamen, desto mehr lag der Herbst in der Luft. Die Birken wurden gelber, die Luft kühler, die Gewässer frischer. So erreichten wir Lappland. In Inari, der Hauptstadt der Samen – die Samen sind das indigene Volk des europäischen Nordens. Sie leben in einem grossen Gebiet, das sich über Norwegen, Schweden, Finnland und die russische Kola-Halbinsel erstreckt – besuchten wir das Kulturzentrum und Museum, um uns mit Tradition, Handwerk und Sprache vertraut zu machen.

Von dort war es nicht mehr weit nach Norwegen. Es wurde Zeit, uns von Finnland zu verabschieden – schweren Herzens. Ein weiteres Land, das uns in seinen Bann gezogen hat. Wer Natur liebt, einsame Plätze sucht und sich Zeit nehmen kann, ist in Finnland bestens aufgehoben. Und wir haben nur den Osten gesehen.

Wer lieber hübsche alte Städtchen besuchen und shoppen möchte, sollte Finnland eher umfahren. Für uns aber war Finnland mit seiner Natur, seinen zurückhaltenden Bewohnern und seinen manchmal schrägen Traditionen einfach erfrischend.

Und ja, die leidigen Mücken: Wir haben tatsächlich kaum eine Mücke gesehen. Obwohl wir uns mit Mückensprays, Thermacell-Verdampfer mit unzähligen Nachfüllfläschchen und allerlei Mittelchen eingedeckt hatten – wir haben alles noch. Weshalb es kaum Mücken gab, wissen wir nicht. Uns soll es recht sein. Und jetzt, im herbstlichen Norden, werden sie uns sicher nicht mehr belästigen.

Zwei Monate waren wir hier, wir verlassen Finnland und sind gespannt, ob uns Norwegen genauso in seinen Bann ziehen wird.

Kleine Stromschnellen von Enokoski
Sandskulptur in Enonkoski
Kontiolahti - Blick hinaus
Kontiolahti ist ein bekannter Ort für Biathlon
Snowfarming - unter diesem Hügel befindet sich Schnee für die nächste WintersaisonNächste Station
Koli-Nationalpark
Weiter ging es zum Ruunaan Retkeilykeskus Camping, wo wir mit Pia und Juha - die wir in Litauen kennengerlernt hatten - abgemacht haben
Wir planen einen Rundgang von 7,5 km. Zur Stärkung hat Marcel fürs Frühstücke Heidelbeeren gesammelt
Juha mit seinen langen Beinen im Stechschritt voraus. Ich im Eiltempo hintendrein
Ein kleiner Rast ist angesagt
Hängebrücke über Stromschnellen
Vorbereitung zum gemeinsamen Abendessen mit Pia und Juha
Zum Abschluss unseres Treffens noch ein Riverrafting
Mittagessen an einem traumhaften Ort
Zum Schluss ein Diplom. Es war einfach wunderbar
Erholungs- und Wandergebiet Peurajärvi
Erneut ein herrlicher Stellplatz direkt am See
Wanderung zwischen den Seen und dem Moor
Pflücken der Verpflegung unterwegs
Abendliches Ritual
Weiter entlang der Via Karelia Richtung Norden
Nächster Stellplatz
Marcel ging Heidelbeeren sammeln
Teig für die Heidelbeeren-Muffins
Die Heidelbeer-Muffins schmeckten wunderbar
Auf Naturstrassen fuhren wir weiter in den Norden
Direkt entlang der Russischen Grenze
"New" Lost Place - Seit kurzer Zeit stillgelegter Güterbahnhof an der Finnisch-Russischen Grenze
Gedenkstätte an den Winterkrieg im Jahre 1939
Ein Stein für jeden gefallenen Soldaten
Glockenspiel mit 105 Glocken
Heimvorteil der Finnen
Es regnet
Aussitzen des schlechten Wetters
Junge Schwalben
Das Tankstellennetz ist nicht mehr so dicht. Marcel füllt seine Reservekanister ...
und fixiert die Aufhängung mit zusätzlichen Spanngurten - die Kanister wurden sehr schwer
Kaum losgefahren und wir trafen ununterbrochen auf Rentiere, ...
die sich von den Autos gar nicht stören liessen
Entlang wunderbaren, einsamen, unbefestigten Strassen fuhren wir zu unserem nächsten Ziel
Beobachtungshütte
Beobachtungsposten
Wanderung - Kleine Bärenrunde
Stärkung
Nördlicher Polarkreis
Der Herbst kommt
Sami-Kulturzentrum in Inari
Sami-Museum
Vorbereitung auf den Winter

Fotogalerie