Lettland: Natur, Barock und Grossstadt

Lettland überraschte uns mit Flussidylle, Barockpracht und seiner Hauptstadt Riga, die sofort unter die Haut ging.

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Marcel & Jacqueline
Über uns ...

Weiter fuhren wir an den Fluss Lielupe. Keine 30 Minuten nach unserer Abfahrt – und nach einem weiteren völlig unspektakulären Grenzübertritt – waren wir schon in Lettland. Unser Stellplatz lag direkt am Fluss, auf einem kleinen Parkplatz, den sonst vor allem Angler nutzen. Der Ort war herrlich idyllisch: ein naturbelassener Flusslauf, absolute Ruhe und eine riesige Kolonie von Schwänen, die gemächlich über das Wasser glitten. Auf der gegenüberliegenden Seite – erreichbar über einen schwimmenden Steg – stand ein kleines Schloss mit einem Herrenhaus. Wir genossen die Flussstimmung in vollen Zügen.

Am nächsten Tag besuchten wir Schloss Rundāle. Es liegt mitten in der weiten Ebene von Semgallen, und ehrlich gesagt erwartet man dort kein lettisches „Mini Versailles“. Doch genau das steht plötzlich vor einem: ein heller, symmetrischer Barockpalast aus dem 18. Jahrhundert, erstaunlich gut erhalten und frei von späteren Stilbrüchen. Barock und Rokoko pur.

Im Inneren sieht man allerdings, dass das 20. Jahrhundert nicht gnädig war. Beide Weltkriege haben viele Räume schwer beschädigt. Dass heute wieder alles so stimmig wirkt, ist vor allem dem Kunsthistoriker Imants Lancmanis zu verdanken, der ab 1972 fünfzig Jahre lang die Restaurierung vorangetrieben hat. Ohne ihn wäre Rundāle wohl nur eine weitere Ruine mit guter Geschichte.

Der Architekt ist kein Unbekannter: Francesco Bartolomeo Rastrelli, der Mann hinter dem Winterpalast in St. Petersburg. Rundāle gehört zu seinen frühen Werken – und einige Elemente wie die Galerien und Treppenhäuser findet man in keinem seiner anderen erhaltenen Bauten mehr. Das macht den Ort unerwartet besonders.

Zum Ensemble gehören das Hauptgebäude, die Stallungen und ein Barockgarten, eingerahmt von einem Kanal. Dahinter beginnt ein riesiges ehemaliges Jagdrevier. Alles wirkt grosszügig, aber nie protzig. Die Innenräume wurden in der zweiten Bauphase von italienischen Malern und einem Berliner Bildhauer gestaltet – viel feine Rokokoarbeit, aber angenehm zurückhaltend. Man merkt, dass hier nicht einfach „irgendwas“ rekonstruiert wurde, sondern dass man sich eng an historische Pläne und Originalstücke hielt. Einige Möbel tauchten sogar auf internationalen Auktionen wieder auf und wurden zurückgekauft.

Nach einer Phase als Museum und später als sowjetischer Getreidespeicher begann 1972 die grosse Rettung. Seit 2014 gilt die Anlage offiziell als wiederhergestellt. Heute zeigt das Museum eine Dauerausstellung mit Kunst und Antiquitäten aus baltischen Landgütern, die während der Besatzungszeit verloren gingen.

Schloss Rundāle ist ein wunderschön restaurierter Barockpalast mitten in Lettland – ein Ort, der zeigt, wie viel Geschichte hier verborgen liegt und wie viel Geduld es braucht, um sie wieder sichtbar zu machen.

Nach so vielen ruhigen Tagen voller Natur und etwas Kultur waren wir wieder bereit für mehr Pulsieren. Riga, Lettlands Hauptstadt, wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Unser nächster Halt war der Riverside Campingplatz – ruhig, zentral und für uns, die vier Tage bleiben wollten, ein perfekter Logenplatz direkt an der Waterfront. Dank unserer Klappräder, auf die ich nie mehr verzichten möchte, waren wir in kürzester Zeit im pulsierenden Zentrum.

Riga hatte uns sofort gepackt. Die Stadt wirkt jung, entspannt und voller Energie, ohne ihre Geschichte zu verstecken. Ein paar Schritte – und man steht vor einem hippen Café, einem stylischen Restaurant oder einer Bar, die genauso gut in Kopenhagen, Hamburg oder einer anderen stylishen Stadt stehen könnte. Kulinarisch ist Riga weit vorne: modern, kreativ, überraschend gut. Und es gibt genug Orte, an denen man einfach sitzen, schauen und essen kann, ohne sich wie ein Tourist zu fühlen.

Zwischen all dem steckt unglaublich viel Grün. Parks, Alleen, kleine Oasen – Riga gibt einem immer wieder Raum zum Durchatmen. Der Bastejkalns Park ist so ruhig, dass man fast vergisst, wie nah die Strassenbahnen vorbeiklingeln. Und entlang des Kanals kann man stundenlang spazieren, ohne dass es langweilig wird.

Die Altstadt bringt dann den historischen Teil ins Spiel: Petrikirche, Schwarzhäupterhaus, Dom, enge Gassen wie ein kleines Labyrinth. Und natürlich der Turm der Akademie der Wissenschaften – dieses sowjetische „Zuckerbäcker Gebäude“, das man entweder hässlich oder, wie ich, faszinierend findet. Von oben hat man jedenfalls einen Blick über die ganze Stadt und das flache Umland.

An einem Tag war Marcel allein unterwegs, während ich mich von all den Eindrücken erholen musste. Er besuchte die Universitätsbibliothek – ein moderner Bau voller Licht und mit einer Aussicht, die man bei „Bibliothek“ nicht erwartet.

Danach ging er weiter zu den Markthallen in alten Zeppelin Hangars: Fisch, Gemüse, Käse, Blumen, Stimmen, Gerüche. Marcel kam zurück mit diesem typischen „War gut“-Blick, der bei ihm bedeutet: „Schade, dass du nicht dabei warst.“ Seine Fotos haben mich dann immerhin entschädigt.

Riga drängt sich nicht auf. Die Stadt ist lebendig, aber nicht hektisch. Modern, aber nicht künstlich. Grün, aber nicht langweilig. Und sie hat diese Mischung aus Geschichte, Alltag und junger Szene, die sofort gefällt.

Nach so viel Kultur brauchten wir wieder Ruhe. Die fanden wir in Sigulda, auf einem kleinen Campingplatz mit einem herrlich kleinen See. Vier Tage lang genossen wir Flanieren, Nichts Tun, etwas Frühjahrsputz und endlich wieder eine grosse Wäsche. Danach hiess es weiter – Richtung Nordost, nahe an die russische Grenze, hinüber nach Estland.

Unser Stellplatz, direkt am Fluss Lielupe
Schloss Rundāle
Eine von mehreren Küchen
Herrlich lichtdurchflutete Gänge ...
und Treppenhäuser im Ost‑ und im Westflügel setzen strahlende Akzente im Gebäude
Goldener Saal, diente als Thronsaal
Verbindung zwischen Ost- und Westflügel diente als Saal für die lange Tafel und ...
führte zum weissen Saal, dem Festsaal ...
flankiert von kleinen Räumen, die eine wertvolle Sammlung fernöstlicher Vasen aus China und Japan beherbergen
Arbeitszimmer
Schlafzimmer des Herzogs ...
mit Blick in den Garten
Esszimmer
Ankleidezimmer
Boudoir der Herzogin
Eine kleine Tretthilfe erleichtert das Hinaufsteigen ins hohe Bett – ganz wie bei uns zu Hause in Wiloo
Badezimmer der Herzogin
Campingplatz in Riga
Unterwegs in die Altstadt von Riga
Überall hippe Restaurants – und viele überraschen mit einer herrlich frischen Fischküche
Schwarzhäupterhaus
Freiheitsdenkmal
Geburtskathedrale
Denkmal für die Opfer der sowjetischen Besatzung
Petrikirche
Lettische Akademie der Wissenschaften im Stil des Sozialistischen Klassizismus
Riga, eine grüne Stadt
Blick auf die lettische Nationalbibliothek
Jugendstilviertel in Riga
Markthallen
Sigulda

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