Passau, Bayreuth, Coburg, Erfurt & ein Fazit

Von Österreich Richtung Norden: Passau verzaubert, Bayreuth überrascht, Coburg berührt, Erfurt fühlt sich an wie Heimkommen – und Wiloo hat seine Prüfung glänzend bestanden.

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Marcel & Jacqueline
Über uns ...

Gerne wären wir noch etwas länger in Österreich geblieben. Vor allem Linz stand noch auf unserer Wunschliste, aber diesmal hat es einfach nicht sollen sein. In der Winterzeit einen geöffneten Camping- oder Stellplatz zu finden, erwies sich als überraschend schwierig – und irgendwann mussten wir einsehen, dass wir unsere Pläne anpassen müssen.

Da Deutschland im Winter eine hervorragende Infrastruktur für Reisende mit dem Wohnmobil bietet, fiel die Entscheidung schliesslich leicht: Wir verlassen Österreich und setzen unsere Reise nördlich der Grenze fort. Ausserdem wartete in Goslar erneut ein Termin auf uns, um ein paar Garantiemängel beheben zu lassen. Unser MaxxFan hatte uns im Stich gelassen – im Winter zwar kein Drama, weil die Kabine ohnehin kühl bleibt, aber mein geliebter «Dampfabzug» fehlte mir dann doch sehr.

Also machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Norden. Diesmal wollten wir uns bewusst Zeit für drei Städte nehmen, die wir schon länger im Blick hatten: Passau, Bayreuth und Coburg. Vier Wochen planten wir dafür ein – genug, um nicht nur die Städte selbst, sondern auch ihr Umland in Ruhe zu erkunden.

Unser erster Stopp: Passau. Direkt unterhalb der Veste Oberhaus fanden wir einen Stellplatz, der sich perfekt als Ausgangspunkt für unsere Erkundungen eignete. Die Burg über uns, die drei Flüsse um uns herum – ein schöner Start in diesen neuen Abschnitt unserer Reise.

Passau – eine Stadt zwischen drei Flüssen und zwei Aussichtspunkten

Passau ist eine dieser Städte, die man oft nur vom Namen her kennt. Auch uns ging es so. Wir kannten die Stadt lediglich als Startpunkt der Donau-Main-Rheinfahrt, die wir im Corona-Jahr zusammen mit meinem Vater und meiner Tochter Florence gemacht hatten. Jedoch bestiegen wir damals das Schiff ausserhalb Passaus und kamen nicht in den Genuss dieser herrlichen Stadt. Passau überraschte uns mit einer Mischung aus Ruhe, Geschichte und einer sehr entspannten Atmosphäre. Drei Flüsse treffen hier zusammen: Donau, Inn und Ilz. Dieses Dreiflüsseeck ist nicht nur ein geografischer Punkt, sondern tatsächlich ein Ort, an dem man kurz stehen bleibt, weil die unterschiedlichen Wasserfarben so deutlich sichtbar sind bzw. sein könnten. Ein kleines Naturphänomen, das wir gerne erlebt hätten. Leider zeigten sich alle drei Flüsse in derselben Farbe. Schlammiges Braun. Dies war dem Dauerregen im Einzugsgebiet der drei Flüsse geschuldet. Auch waren die Uferwege teilweise überflutet.  Immer wieder kommt es zu Hochwasser, vor allem wenn Donau und Inn gleichzeitig viel Wasser führen. Die Altstadt steht dann schnell im Fokus, weil sie tief und nah an den Ufern liegt.

Uferweg überschwemmt
Zeitzeuge

Trotzdem wirkt Passau erstaunlich gelassen im Umgang damit. Hochwassermarken an den Häusern zeigen, wie oft die Stadt schon mit den Fluten gelebt hat. Viele Gebäude sind darauf vorbereitet, und die Menschen hier haben eine gewisse Routine entwickelt. Unser Stadtführer erzählte uns, dass man bis heute keine dauerhafte Lösung gefunden hat, um die wiederkehrenden Überschwemmungen vollständig zu verhindern. Für Besucher ist es ein stiller Hinweis darauf, wie eng Schönheit und Herausforderung in Passau zusammengehören.

Die Altstadt ist kompakt und lässt sich wunderbar zu Fuss erkunden. Helle Häuser, kleine Plätze, ein paar versteckte Innenhöfe – alles wirkt gepflegt und angenehm unaufgeregt. Früher oder später landet man am Dom St. Stephan. Der Innenraum ist beeindruckend, und die grösste Domorgel der Welt macht den Ort zu einem der markantesten Punkte der Stadt. Gerne hätte wir uns mit einem Orgelkonzert verwöhnt, aber die berühmte Domorgel von St. Stephan wird seit einigen Jahren umfassend restauriert. Staub, Schimmel und die schiere Grösse des Instruments haben eine Generalüberholung notwendig gemacht. Dafür werden nach und nach alle fast 18.000 Pfeifen ausgebaut, gereinigt und technisch erneuert – ein Projekt, das mehrere Jahre dauert und im Dom gut sichtbar ist. Trotz der Arbeiten bleibt die besondere Atmosphäre des Raums erhalten. Man spürt, wie viel Sorgfalt und Fachwissen hier zusammenkommen, um eines der bedeutendsten Instrumente für die nächsten Jahrzehnte zu bewahren.

Wer Passau von oben sehen möchte, hat zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten. Auf der Donauseite liegt die Veste Oberhaus, eine weitläufige Burganlage mit einem der besten Blicke über die Stadt. Der Aufstieg ist kurz, aber steil, und oben öffnet sich ein Panorama, das die drei Flüsse und die Altstadt klar voneinander trennt. Die Burg selbst wirkt ruhig und grosszügig – ein Ort, an dem man sich Zeit oder auf der Restaurant-Terrasse bei herrlichstem Frühlingswetter mit einem – für uns unerwartet – kulinarischen Gaumenschmaus verwöhnen lassen kann.

Auf der anderen Seite des Inns führt die überdachte „Gnadenstiege“ hinauf zur Wallfahrtskirche Mariahilf. Der Weg ist schlicht, aber stimmungsvoll, und oben erwartet einen eine helle, freundliche Kirche mit einem weiten Blick über den Inn. Es ist ein ruhiger Ort, der sich deutlich von der lebendigeren Altstadt abhebt und der Stadt eine zweite, stillere Perspektive gibt.

Passau hatte uns überrascht. Ich würde Passau als eine Perle bezeichnen.  Vielleicht liegt es an der Lage, vielleicht an der Mischung aus Geschichte und Gelassenheit. In jedem Fall ist Passau ein Zwischenstopp, der sich wahrlich lohnt.

Weiter ging unsere Reise, diesmal war das Ziel Bayreuth.

Bayreuth - Zwischen Festspielstadt und Gartenruhe

Bayreuth empfing uns mit warmem Vorfrühlingswetter, und eigentlich hatte ich die Stadt immer nur wegen der Festspiele auf dem Radar. Obwohl ich Opern liebe, hat es mich nie hierhergezogen – Wagners Werke sind mir schlicht zu schwere Kost, ich fühle mich bei den italienischen und österreichischen Komponisten deutlich wohler. In meinem Kopf war Bayreuth trotzdem immer eine prunkvolle Barockstadt, voller Glanz und historischer Wucht.

Ich will nicht sagen, dass ich enttäuscht war, aber selbst bei strahlendem Wetter blieb dieses Gefühl, dass ich mehr erwartet hätte. Das eigens für die Wagner-Opern gebaute Festspielhaus ist natürlich beeindruckend, aber eben nicht so überwältigend, wie man es sich vielleicht vorstellt. Leider war eine Besichtigung der Innenräume nicht möglich. Am besten gefiel mir tatsächlich der Hofgarten mit dem Neuen Schloss – dort wirkt die Stadt am stimmigsten, ruhig, weitläufig und sehr angenehm.

Richtig begeistert hat mich dann die etwas ausserhalb gelegene Eremitage. Die historische Parkanlage aus dem frühen 18. Jahrhundert, später von Markgräfin Wilhelmine erweitert, verbindet das Alte Schloss, die lange Orangerie, barocke Wasserspiele und weitläufige Gartenbereiche zu einem Ort, an dem man wunderbar spazieren kann. Auch wenn der üppige Blumenschmuck und das frische Grün der Bäume noch fehlten, konnten wir uns gut vorstellen, wie herrlich es hier im Sommer sein muss. Ein Platz, an dem Architektur und Natur ganz selbstverständlich ineinandergreifen – und an dem man gerne länger bleibt.

Coburg: Veste, Rosenau und ein Hauch Nostalgie

In Münchberg – einem kleinen, unspektakulären Ort, dafür mit einem brandneu angelegten Stellplatz und bester Infrastruktur – bekam unser Wiloo von Marcel erst einmal seinen wohlverdienten Aussen-Frühjahrsputz. Frisch herausgeputzt ging es weiter nach Coburg. Dort stand natürlich die Veste Coburg auf dem Programm. Für mich war das ein kleiner Ausflug in die Jugend: Welche Frau unserer Generation kennt ihn nicht, den Film „Jugendjahre einer Königin“ mit Romy Schneider, in dem sie ihren zukünftigen Prinzgemahl Albert von Sachsen Coburg und Gotha kennenlernt. Und tatsächlich – genau hier, auf der Veste, verbrachte Albert einen Teil seiner Jugend, bevor er zu Victoria nach England ging.

Die Veste Coburg erhebt sich gut sichtbar über der Stadt und gehört zu den eindrucksvollsten Burganlagen Deutschlands. Schon der Weg hinauf zeigt, wie strategisch wichtig dieser Ort einmal war. Oben erwartet einen eine Mischung aus wehrhaften Mauern, grosszügigen Innenhöfen und Ausstellungen, die von Kunst über Waffen bis zu Luthers Aufenthalt reichen. Besonders lohnend ist der Blick über Coburg und die umliegende Landschaft – weit, offen und beeindruckend.

Per Zufall sind wir auch Alberts Geburtsort begegnet. Auf einer Wanderung zu einer Burgruine tauchte plötzlich ein kleines, romantisches Schloss vor uns auf: Schloss Rosenau, tatsächlich der Geburtsort des Prinzen. Und als wäre das nicht genug Filmnostalgie, gab es beim Anblick der Ruine Lauterburg gleich das nächste Déjà-vu aus meiner Jugend. Die Damen wissen, welchen Film ich meine – Es kann nur einen geben!

Erfurt - Frühjahrsputz und ein Wiedersehen mit einer Lieblingsstadt

Auf dem Weg Richtung Norden stand auch für mich der Frühlingsputz an – diesmal im Innenraum von Wiloo. Da wir die Infrastruktur des Campingplatzes in Erfurt schätzen, war schnell klar, wohin wir fahren. Hier fühlen wir uns inzwischen fast wie zu Hause: Wir kennen die Abläufe, die freundlichen Mitarbeitenden, die umliegenden Einkaufszentren und natürlich die Eisdiele mit ihren herrlichen Eisbechern. Und nicht zuletzt mögen wir die Stadt Erfurt einfach sehr.

Erfurt empfängt einen mit einer Mischung aus Geschichte, Charme und lebendigem Stadtgefühl. Die Altstadt ist kompakt, gut zu Fuss zu erkunden und wirkt mit ihren Fachwerkhäusern, kleinen Gassen und Plätzen fast wie aus einem Bilderbuch. Besonders beeindruckend sind der Dom und die Severikirche, die gemeinsam auf dem Domberg thronen und das Stadtbild prägen.

Nur wenige Schritte weiter erhebt sich die Zitadelle Petersberg – eine der grössten barocken Stadtfestungen Europas. Von der Bastei aus hat man einen weiten Blick über die Dächer der Stadt, und die Anlage selbst wirkt wie ein ruhiger Gegenpol zur lebendigen Altstadt. Ein kurzer Aufstieg, der sich jedes Mal lohnt.

Zwischen kleinen Parks, ruhigen Innenhöfen und der Krämerbrücke mit ihren Läden und Ateliers zeigt sich Erfurt von seiner vielseitigen Seite. Eine Stadt, die man ohne grossen Aufwand geniessen kann – entspannt, abwechslungsreich und immer wieder überraschend nahbar.

Und da sind wir wieder – in Goslar. Für zwei Nächte legen wir hier einen kurzen Zwischenstopp ein: Der MaxxFan wird ausgetauscht, ein paar kleine Mängel behoben und wir ziehen ein erstes Fazit nach sechs Monaten unterwegs und im Alltag mit unserem Wiloo.

Kurz gesagt: Einfach klasse! Wiloo gibt uns genau das, was wir brauchen – Sicherheit, Komfort und das gute Gefühl, für eine Langzeitreise bestens gerüstet zu sein.

Die vergangenen sechs Wintermonate waren für uns die eigentliche Testphase (hier unsere Reiseroute), und sowohl Wiloo als auch wir haben sie problemlos bestanden. Wir haben uns in allen Situationen wohlgefühlt, egal bei welchem Wetter, auf welcher Strecke oder in der Zweisamkeit auf kleinstem Raum.

Jetzt kann es weitergehen – und es geht weiter! Ab in neue Gefilde, ab Richtung Norden.

Passau
Blick vom Dreiflüsseeck Richtung Veste Oberhaus
Etwas Resthochwasser
St. Stephan Dom
Herrlich lichtdurchflutet
Renovation der Orgel
Treppenhaus der Fürstbischöflichen Residenz
Innsteg
Blick von der Wallfahrtskirche Mariahilf
Wallfahrtskirche Mariahilf
Überdachte „Gnadenstiege“ hinauf zur Wallfahrtskirche Mariahilf
Blick auf die Veste Oberhaus
Ungeplante Begegnung: Wilde Fuso trifft auf Wilde Iveco
Blick auf die Donau und Inn von der Veste Oberhaus
Veste Oberhaus
Restaurant mit View ...
... und herrlichem Essen
Apfelstrudel, so lecker !!!
Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth
Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit - Bayreuth
Neues Schloss Bayreuth
Neues Schloss der Eremitage in Bayreuth
Altes Schloss der Eremitag in Bayreuth
Chinesische Pagode auf dem Schneckenberg
Aussenfrühjahrsputz ist angesagt
... absolut nötig !!!
Festung Rosenberg in Kronach
Bergfried aus dem Mittelalter
Wir sind bequemer am Reisen ...
... allerdings gab es bereits damals Blattfedern ...
... aber andere Regeln 😉
Kronach
Coburg
Prinz Albert Denkmal in Coburg
Reiterdenkmal Herzog Ernst II.
Veste Coburg
Schloss Rosenau
Erfurt - Zitadelle Petersberg
Blick von der Zitadelle auf die Stadt
Rathaus Erfurt
Frühlingsgefühle
Auch in Goslar hält der Frühling Einzug
Schiefer = Brandschutz

Fotogalerie